Familienaufstellungen Systemaufstellungen

Familienaufstellungen: Wenn dir deine Familie im Wege steht und du das vielleicht nicht mal realisierst

Was passiert genau bei Familienaufstellungen? Funktionieren Systemaufstellungen wirklich?
Oder ist die gesamte systemische Therapie mehr Humbug als sonst was?

In diesem Post schreibe ich über meine Liebe und Faszination zu dieser Methode, zeige dir die Do’s and Don’ts dazu.

Gleich vorab: Familienaufstellungen sind manchmal im wahrsten Sinne des Wortes unglaublich – frau/man muss sie selber erlebt haben um wirklich einen Eindruck zu haben. 

 

Hier folgen meine Erfahrungen der letzten 20 Jahre als Aufstellungsleiterin aber auch Aufstellungsteilnehmerin:

“Ja, genau!”
Das dachte ich, als ich das erste Mal von Familienaufstellungen gehört habe. 

Als Studentin der Psychologie war ich es gewohnt, auf wissenschaftliche Facts zu bauen. Darum war mir diese Nummer mit den Leuten, die Gefühle von anderen Leuten wahrnehmen und dadurch ein System stellvertretend verändern können sollen, nicht wirklich geheuer. Das Ganze klang schon sehr esoterisch.  

 

Aber ich war halt auch neugierig und wollte mir – wie immer – mein eigenes Bild machen.

Also bin ich da hin und hab mir bestimmt 150 Familien- und Systemaufstellungen oder mehr angeschaut, mit aufgestellt und auch meine eigene Familie, mein eigenes System aufstellen lassen. Ich hab das Teil auf Herz und Nieren geprüft. Insgeheim immer in der Absicht, mir selber zu beweisen, dass Systemaufstellungen nichts weiter als esoterischer Humbug sind. 

 

Ich wurde dann aber – natürlich ungern – eines Besseren belehrt. Auch wenn die “Aufsteller-Szene” manchmal schon nicht ganz so meine war: So viele Zufälle konnte es gar nicht geben. Soviel Emotion konnte nicht künstlich herbeigezaubert werden. Nicht in dieser Konstanz, nicht in dieser Schlüssigkeit und Klarheit. Krass, wie viele Aha-Erlebnisse, tiefe Berührungen und Erlösungen ich mit- oder selber erleben durfte!

Soviel Heilung, Befreiung und ja, auch, Lebensfreude, die damit ausgelöst wurde. Ich war fasziniert und wollte es genauer wissen und die Materie mit meinem akademischen Wissen in Verbindung bringen und liess mich deshalb auch zur systemischen Aufstellerin ausbilden. 

 

Was ich dabei für mich aber auch für (meine damals noch zukünftige) Arbeit als Coach gewonnen habe, war ein echter Game-Changer. 

Falls du also selber auch neugierig aber auch wie ich superskeptisch bist, hier meine Gedanken und Erfahrungen mit den Familienaufstellungen, ihrem Potenzial, ihren Grenzen und ihrem Einfluss auf deine Superpower. 

 

Familienaufstellungen – wozu das denn bitte? 

 

Wir alle leben in den verschiedensten Systemen: In der Arbeit, zuhause, im Verein … Als Teil dieser Systeme prägen wir diese mit und umgekehrt prägen sie uns – einige bestimmen wesentlich mit, wie wir uns entwickeln. Die systemische Therapie – zu der Familienaufstellungen und Systemaufstellungen auch gehören – fokussiert sich also darauf, wie der soziale Kontext das eigene psychische Befinden prägt. Im Fokus stehen dabei vor allem die Interaktionen zwischen Mitgliedern der Familie und deren sozialer Umwelt.

 

Ein Beispiel dazu:

In den 50ern, 60ern wäre es eine Schande gewesen, Hausmann zu sein. Umgekehrt gehörte die Frau hinter den Herd. 

“Man(n) wäre ein Waschlappen gewesen” – meinte mein Vater mal dazu. Wäre er in der heutigen Zeit Vater geworden, hätte er es sich auch vorstellen können, Teilzeit zu arbeiten und die Kinderbetreuung mit zu übernehmen. Aber damals? No way. 

Was wir tun hat also auch immer mit dem sozialen Umfeld und dem Zeitgeist zu tun. Und das wirkt sich auch auf unsere Interaktionen mit den anderen Mitgliedern des Systems aus. Darum geht es beim systemischen Ansatz.  

Das wohl prägendste System ist das eigene Herkunftssystem, da wo wir Kind waren; unsere Herkunftsfamilie. Dort lernten wir, was richtig und was falsch ist. Wie wir uns verhalten müssen um beachtet und geliebt zu werden. Dort lernten wir, wie Beziehungen auszusehen haben und wie wir die Welt wahrzunehmen haben.

Dabei sind viele Dynamiken dabei, die äusserst förderlich für unser Aufwachsen waren. Liebevolle Verbindungen zu den anderen Systemmitgliedern, die wichtigsten (im klassischen Fall) der eigene Vater und die eigene Mutter. 

 

Auch wenn wir es zu Hause „gut hatten“, gibt es häufig Dynamiken, mit denen wir uns heute als Erwachsene selber im Wege stehen. Wir limitieren uns mit inneren Vorstellungen und Gefühlen, die wir aus unseren Erfahrungen in der Kindheit geschlussfolgert haben: Wie wir uns, Beziehungen und die Welt mit einer limitierten Sicht wahrnehmen und auf dessen Grundlage uns verhalten und damit unseren Alltag gestalten.

 

Das erklärt zum Beispiel auch, warum junge Frauen selbst heute noch limitierende, innere Bilder vom Frausein mit sich herumtragen (nur nette und liebe Mädchen sind gute Mädchen oder Frauen müssen hübsch sein – sind solche Klassiker) obwohl dies heute (eigentlich) gar nicht mehr zeitgemäss ist. 

Die Epigenetik liefert wissenschaftliche Belege dazu, dass solches Gedanken- und Gefühlgut über Generationen weitergegeben und in unserer Genetik verankert wird. So werden Kriegstraumatas aber eben auch gesellschaftliche Do’s und Don’ts über Generationen weitergegeben und dies häufig unbewusst.

 

Die gute Nachricht dazu:

Diese Dynamiken mögen zwar alt sein, aber sie sind nicht in Stein gemeisselt.

In der systemischen Aufstellungsarbeit entdecken wir hinderliche Dynamiken. Denn häufig sind die gar nicht 100% in unserem Bewusstsein.

Die junge Frau, die keinen Partner “findet”, stellt in der Aufstellung fest, dass der Platz an ihrer Seite eigentlich immer noch mit dem ersten Mann in ihrem Leben, ihrem Vater, besetzt ist und dadurch gar kein anderer Mann Platz hat. 

Oder wie der dem Burnout-nahe Mann, der erkennt, dass er sich selber nie genug ist, weil er immer noch nach der Anerkennung seines eigenen Vaters lechzt. 

Die Wirkung dieser Dynamiken schränkt uns ein ohne dass uns ganz klar ist, wo der Hund eigentlich begraben liegt. Bewusstmachung ist also der erste Schritt in einer systemischen Aufstellung – egal ob es dabei um Familien- oder Systemaufstellungen (z.B. können auch Arbeitsteams, Firmen oder auch Schulen aufgestellt werden) geht. 

 

Da Real Shit? Familienaufstellungen zeigen auf, wie wir Familie erlebt haben und was dies aus uns gemacht hat

 

Familienaufstellungen zeigen unser inneres Bild von unserem System. Sie sind nie die absolute Realität. Sondern immer “nur” unsere eigene. Wenn also zwei Schwestern nacheinander eine Aufstellung machen, schauen diese bei beiden unter Umständen komplett anders aus, weil jede der Schwestern – nebst den unterschiedlichen Persönlichkeiten – wieder eine andere Rolle im System, der Familie hatte und es dadurch partiell oder komplett anders erfahren hatte.


Weil unsere Wahrnehmung, unserer eigene Wahrheit aber die ist, die uns am meisten beeinflusst und uns bis per dato steuert, kommt es einzig auf diese an. Da kann die Mutter noch lange sagen ”ach, so schlimm war das doch gar nicht” – für das Kind war es das. Das gilt es im ersten Schritt respektvoll zu honorieren und aufzudecken, was noch geklärt werden will. 

 

Im zweiten Schritt – wenn dann also klar ist, um was es in der Aufstellung geht, wo die grossen Hebel sind, welche Dynamiken wirken, kann im zweiten Schritt nun das System “gesund” gestellt werden. Dazu werden Positionen ausgetauscht und Lösungssätze gesprochen. Diese Sätze wurden in den über 30 Jahren der Methode als besonders kraftvoll erwiesen und darum individuell passend (ein bisschen Slang muss schon sein) eingesetzt. 

 

Es wird mit der Veränderungsarbeit der fruchtbare Boden geschaffen für alle Samen, die die aufstellende Person für ihr Leben als nun freie, erwachsene(re) Person pflanzen will. Es wird die Base für ein empowertes Leben geschaffen, denn wie schon J.W. Goethe sagte: 

 

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.”

Und ohne Wurzeln gibt es gar keine Flügel. Im Aufsteller nehmen wir also die frühkindlichen Prägungen unter die Lupe. Fokussiert auf das von der aufstellenden Person definierte Thema stellen wir ihre Familie auf und reorganisieren das sichtbar gemachte innere Bild der Aufstellenden, so dass sie frei wird von limitierenden Dynamiken und er-wachsen ihr Leben verändern kann.

Damit du das volle Potenzial für dich ausschöpfen kannst, habe ich dir hier ein paar Do’s und Don’ts festgehalten, die für mich massgeblich darüber entscheiden, dass eine Familienaufstellung oder eine Systemaufstellung deine Superpower positiv boostet. 

 

Familienaufstellungen systemische Aufstellungen

Do’s – so klappt das mit dem Familienaufstellen / Systemaufstellen

 

Stelle bei jemanden auf, die dir a) sympathisch b) kompetent und c) down to earth vorkommt. Alle diese 3 Punkte müssen vorhanden sein, mach da keine Abstriche. Es geht um dich und deine Geschichte und nicht weniger. Da muss das schon passen. 

Wie findest du heraus, ob diese 3 Punkte zutreffen? 

 

a) Hör auf dein Bauchgefühl
Fühlst du dich bei dieser Person wohl und sicher? Fordert sie dich auch ein bisschen aus deiner Komfortzone heraus? Das ist wichtig, denn nur vom über deinen Kopf streicheln passiert wenig nachhaltig positive Veränderung. 

 

b) Nachlesen oder ruhig nachfragen
Hat die Person eine solide Ausbildung und aber auch schon viele Jahre Erfahrung und last but not least hat sie auch ihre eigenen Themen schon rauf und runter aufgestellt? Ich empfehle dir Personen, die über den Tellerrand schauen und auch in anderen Bereichen (vor allem in der lösungsorientierten Therapie- und Coachingecke) ausgebildet sind. Weil sonst die Gefahr von Fanatismus oder “Betriebsblindheit” besteht und das hat noch keinem geholfen. 

 

c) Schön locker bleiben
Wenn alles super ernst und krampfig ist beim Aufstellen: Renn! Denn das ist einfach nicht das Leben. Genauso wie Tränen, Wut, Stolz, Trauer sich zeigen dürfen in einer Aufstellung hat es auch immer Platz für Humor und Leichtigkeit. Es gibt zwar nicht immer ein Happy End – dann aber vor allem weil die aufstellende Person das gerade noch so will und es so für sie auch passt. Es soll durch die Aufstellung zumindest am Schluss besser und leichter aber sicher nicht dramatischer werden. 

 

Don’ts – lass das lieber sein wenn du von Familienaufstellungen oder Systemaufstellungen profitieren willst 

 

a) Erwarte nicht, dass die anderen in deinem aufgestellten System sich für dich verändern. 

Erfahrungsgemäss- und das ist oft der magische Teil dabei – tun sie es in den meisten Fällen sowieso. Ich habe schon miterlebt, wie die Schwester einer Klientin, die sich sonst nie gemeldet hat, eine SMS schickt, unmittelbar nachdem die Aufstellung fertig war. Oder das jemand in einer Aufstellung einen Anruf bekam von einem Systemmitglied. Oder dass das bisher unmögliche Gespräch mit dem eigenen Vater nach der Aufstellung plötzlich ganz einfach verlief und er tatsächlich zum ersten Mal zuhörte. Aber darum geht es nicht bei Aufstellungen. Es geht um deine Wahrnehmung deines System und was das mit dir im Jetzt macht. Ist dies limitierend, gilt es das aufzulösen. Dich frei zu machen für dein erwachsenes Leben. Wie die anderen dann auf deine Veränderung reagieren, ist deren Sache. Alles andere wäre ja Freiheitsberaubung oder Vodoo. 

 

b) Vergangenheitsbewältigung als Selbstzweck

Familienaufstellungen schauen in die Vergangenheit um dich dann im Jetzt freier für eine empowerte Zukunft zu machen. Das ist mein einziger Kritikpunkt daran, wie diese Methode auch eingesetzt werden kann: Zum Selbstzweck der Vergangenheits-Grübelei. Manchmal muss man zurückschauen, um fundamentale Veränderung zu installieren. Dann ist aber dann auch gut und man will zurück ins Jetzt, sonst bleibt man im Alten hängen und kommt nicht wirklich im Jetzt weiter. 

 

c) Angst davor zu haben, es könnte was ganz Schlimmes dabei rauskommen

Hab keine Angst – es wird nichts Krasses oder Überwältigendes passieren. Aber es wird kraftvoll positiv einschenken, wenn du willst. Wie bei jeder seriösen Methode oder besser gesagt bei jedem seriösen Coach oder Therapeuten gilt: You are in control. Du entscheidest immer darüber, was passiert und was nicht. Die Aufstellung gibt dir die Chance, deinen Blickwinkel zu verändern und alten Ballast loszuwerden. Dazu wirst du die Komfortzone vielleicht verlassen müssen. Aber am Ende entscheidest du darüber, ob und in welcher Intensität und in welchem Tempo du durch diese Veränderung gehst. 

 

d) Angst davor zu haben, den Mist der anderen nach Hause zu tragen

Wenn du als Stellvertreter eine Rolle einnimmst, wirst du wirklich deren Befindlichkeiten und Gedanken haben. Ich weiss, klingt nach crazy Shit und warum das wirklich funktioniert, versuchen die einen mit quantenphysischen Ansätzen zu belegen aber so richtig weiss das noch keiner ganz genau. Fact ist: Es wirkt. ABER das hier ist keine Geisterbeschwörung oder Vodoo wo der Geist einer anderen Person deinen Körper übernimmt und du deren Mist mit nach Hause schleppst. Du bleibst immer du. Das ist ein bisschen wie wenn du netflixst: Du gehst voll mit der Hauptfigur mit, erlebst und verstehst voll ihre Gefühle aber wenn dann dein Handy klingelt, bist du gleich wieder raus und zurück in deinem Alltag. Du kannst eintauchen und wertvolle Sekundärerfahrungen machen, die auch dein Leben positiv beeinflussen, wenn du willst. Aber du wirst bei einer Aufstellung professionell begleitet, so dass du nach der Aufstellung wieder die Alte, der Alte (wenn du das denn willst ;)) bist. 

 

 

Grenzen der Familienaufstellungen und Systemaufstellungen

 

Im klassischen Sinne der Familien- oder Systemaufstellung geht man davon aus, dass eine Aufstellung reicht und sich das System dann von alleine neu organisiert und dadurch die Veränderung im Alltag passiert. Aus meiner Erfahrung stimmt das nicht in jedem Fall. Ich glaube, dass Familienaufstellungen oder auch Systemaufstellungen eine unglaublich kraftvolles Tool sind um alte Verhärtungen, limitierende Blocks im eigenen System aufzulösen. Doch gerade wenn wir schon ein paar Jahre auf diesem Planeten unterwegs sind und unsere Schlussfolgerungen aufgrund unserer systemischen Erfahrungen immer und immer wieder kultiviert und damit neurologisch in uns gefestigt haben, braucht es auch konkrete Action im Alltag, die einem hilft, das Neue kraftvoll in den Alltag zu bringen.

Das ist der Grund, warum ich persönlich keine Aufstellungen ohne Vor- und Nachgespräch abhalte. Ich will sicher gehen, dass klar ist, dass es nebst der systemischen, inneren Veränderungsarbeit auch neue Inputs fürs eigene Denken und Handeln braucht und dass meine Klienten auch über diese Tools verfügen und sie anwenden. So werden neue Gewohnheiten und damit ein neues Leben geschaffen. Ansonsten fällt man leicht zurück ins alte Muster – dieses ist ja über all die Jahre gut trainiert. 

 

Familienaufstellungen oder auch Systemaufstellungen sind aus meiner Sicht eine unglaubliche, verrückte und kraftvolle Technik um die eigene Superpower zu stärken.

 

Wenn du Bock hast, dir das mal anzuschauen und du dich selber frei machen willst von altem, limitierenden Dynamiken, dann komm an meinen Aufsteller. Alle Infos dazu findest du hier. Sei es dir wert – du bist wichtig und es kommt auf dich an!

Familienaufstellungen systemische Aufstellungen

Author Info

Nicole Haut-Cavegn

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